von Stefan Behr 8. Februar 2026
Der "Trial Trainer" Trainerus Trialensis (lat., frei übersetzt): Mehrzweck-Lebensform am Rande von Hindernissen, ausgerüstet mit Werkzeug, Pflaster und unerschütterlicher Geduld. Wesen, das gleichzeitig plant, erklärt, repariert, motiviert und dabei so tut, als wäre das alles ganz normal. Von außen sieht es ja immer ganz einfach aus: Da steht jemand mit verschränkten Armen am Hindernis, schaut konzentriert, nickt ab und zu und ruft Dinge wie „mehr Gas!“ oder „locker bleiben!“. Der Unwissende denkt: Aha, der Trainer. Der erklärt halt ein bisschen was. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Der Trial-Trainer ist nämlich nicht nur Trainer. Er ist gleichzeitig Terminplaner, denn irgendjemand muss ja herausfinden, wann zwanzig Leute Zeit haben, die angeblich „immer können“, dann aber doch arbeiten, Geburtstag haben oder „nur kurz“ das Motorrad zerlegt haben. Er ist Trainingsplaner, der sich überlegt, welche Übungen sinnvoll sind, damit am Ende alle besser fahren – und nicht nur besser Ausreden finden. Er ist Organisator von Trainingslagern. Das bedeutet: Unterkunft finden, Strecken organisieren, Teilnehmer koordinieren, Wetter beobachten und dabei so tun, als hätte man alles völlig entspannt im Griff. Natürlich ist der Trainer auch Mechaniker. Kaum hustet ein Motorrad verdächtig, steht er daneben, hört zu, nickt fachkundig und sagt Dinge wie: „Das klingt nach Vergaser, Zündung oder irgendwas Mechanischem.“ Kurz darauf hat er Werkzeug in der Hand und alle schauen erwartungsvoll zu, als wäre er gleichzeitig Arzt, Ingenieur und Zauberer. Und wenn es doch mal schiefgeht – was im Trialsport rein theoretisch ja vorkommen kann – ist der Trainer plötzlich Erste-Hilfe-Personal. Dann wird beruhigt, geschaut, gepflastert und nebenbei erklärt, dass der Boden heute besonders hart war. Am Hindernis ist der Trainer sowieso alles auf einmal: Erklärer, Motivator, Fangnetz, seelischer Beistand und gelegentlich auch lebender Prellbock. Er ruft aufmunternde Worte, gibt Tipps zur Technik, hebt Motorräder auf, richtet Lenker gerade und sagt Sätze wie: „War schon gut – beim nächsten Mal einfach fahren.“ Und zwischendurch erklärt er auch noch das Reglement, beantwortet Fragen, sucht verlorene Handschuhe, erinnert an Helme, sammelt Pylonen ein und sorgt irgendwie dafür, dass am Ende alle mit einem Grinsen nach Hause fahren. Kurz gesagt: Der Trial-Trainer ist Trainer, Mechaniker, Sanitäter, Organisator, Motivator, Lehrer, Psychologe und manchmal auch Babysitter für Erwachsene mit Motorrädern. Und warum macht man das? Weil es kaum etwas Besseres gibt, als zu sehen, wie jemand ein Hindernis schafft, an dem er vor zwei Stunden noch verzweifelt ist – und danach grinst wie ein Kind an Weihnachten. Das ist der Moment, in dem der Trainer weiß: Der ganze Aufwand hat sich wieder gelohnt. Und selbstverständlich gilt das alles nicht nur für den Trainer – sondern genauso für die Trainerin!