von Stefan Behr 13. Juli 2026
Ein Hoch auf die Punktekarte – der heimliche Held jedes Trialtages Sie bekommt keinen Pokal. Sie steht auf keinem Siegerfoto. Und trotzdem ist sie vermutlich das wichtigste Stück Papier eines ganzen Trialtages: die Punktekarte. Dabei führt sie oft ein ziemlich hartes Leben. Schon morgens wird sie am Motorrad befestigt und darf den ganzen Tag Wind, Staub, Schlamm und manchmal auch den einen oder anderen unfreiwilligen Benzinspritzer beim Tanken über sich ergehen lassen. An jeder Sektion wartet bereits die nächste Tortur: die Lochzange. Zack... zack... zack... Ohne jede Gnade wird sie Runde für Runde durchlöchert. Am Ende des Tages sieht sie aus wie ein Stück Schweizer Käse – und das nur, weil ihr Besitzer den einen oder anderen Fuß zu viel gesetzt hat. Zur Aufbewahrung wird sie anschließend gerne wieder ans Motorrad gehängt, im Stiefel verstaut oder im Helm dem wohltemperierten Schweißklima eines langen Trialtages ausgesetzt. Wirklich beneidenswert ist dieses Kartenleben also nicht. Dabei hat sie eigentlich etwas mehr Respekt verdient. Denn egal, wie modern unser Sport inzwischen geworden ist und wie schnell die Ergebnisse dank digitaler Funkübertragung per Smartphone im Internet erscheinen – die Punktekarte bleibt der offizielle Nachweis der sportlichen Leistung. Sie erzählt die Geschichte des Wettkampfs, dokumentiert jede Null, jede Eins und leider auch jede Fünf. Und dann wären da noch die Damen und Herren in der Auswertung. Die freuen sich tatsächlich über eine Punktekarte, die noch annähernd aussieht wie eine Punktekarte – und nicht wie ein vom Wettkampf gezeichnetes Relikt aus Schlamm, Schweiß und Knitterfalten. Deshalb unser kleiner Appell mit einem Augenzwinkern: Die Punktekarte ist vielleicht das stillste Mitglied im Fahrerlager – aber ohne sie hätte am Ende niemand etwas zu feiern, nichts zu diskutieren und vor allem kein Ergebnis. Also: Ein bisschen Respekt hat sie sich wirklich verdient.