10. Mai - 21:30 Uhr
Sechs Tage Schottland – oder: Warum plötzlich jeder Moor im Motorrad findet
Was soll man sagen? Es ist geschafft. Sechs Tage Scottish Six Days Trial 2026 liegen hinter den Teilnehmern. Viele hundert Kilometer auf Straßen, Feldwegen, Wanderpfaden, durch Bäche, über Felsen – und natürlich mitten durchs berüchtigte schottische Moor. Und spätestens jetzt weiß jeder Teilnehmer ganz genau: Moor findet wirklich überall seinen Weg hin. In die Stiefel, in die Handschuhe, ins Werkzeug… und vermutlich auch in die Seele.

Leider haben es nicht alle bis ins Ziel geschafft. Technische Defekte, kleine Missgeschicke oder einfach die schlichte Erkenntnis, dass ein schottischer Stein manchmal härter ist als der eigene Ehrgeiz, haben den einen oder anderen vorzeitig aus dem Rennen genommen. Umso erfreulicher aus deutscher Sicht: Alle deutschen Fahrer haben es – bis auf kleinere Blessuren und diverse Muskelgruppen, die vermutlich erst nächste Woche wieder normal funktionieren – in die Wertung geschafft.

Und genau das macht Schottland aus. Es ist eben nicht nur ein Trial. Es ist Abenteuerurlaub mit Motorrad, nur eben ohne Urlaub.

Für die Profis, allen voran den diesjährigen Sieger Adam Raga, ist das Ganze natürlich ein Kampf um jeden einzelnen Nuller. Möglichst fehlerfrei fahren, keine Konzentration verlieren und am Ende den Sieg nach Hause bringen. Doch langweilig wurde es keineswegs. Die jungen Engländer Harry und Geroge Hemingway saßen dem erfahrenen Spanier erstaunlich dicht im Nacken. Das Ergebnis blieb bis zum letzten Tag spannend – und genau das macht Hoffnung, dass im internationalen Trialsport in den nächsten Jahren noch einiges kommen wird.

Für die meisten anderen Teilnehmer sieht die Geschichte allerdings etwas anders aus. Klar, die Ergebnisse werden analysiert. Natürlich schaut jeder heimlich nach, ob man den Kumpel noch irgendwo abgefangen hat oder warum ausgerechnet diese eine dumme Fünf den Platz gekostet hat. Aber Hand aufs Herz: Ob man am Ende Platz 148 oder 219 geworden ist, interessiert vermutlich nach zwei Wochen niemanden mehr. Wichtig ist nur eins: Finisher.

Und genau dieses Gefühl kommt am Freitag nochmal mit voller Wucht zurück. Auch am letzten Tag stehen nochmal 28 Sektionen auf dem Programm. „Nur“ gute sechs Stunden Fahrzeit – was in Schottland ungefähr bedeutet: nochmal alles geben, nochmal durchs Gelände kämpfen und nochmal hoffen, dass das Motorrad wenigstens bis Fort William zusammenbleibt.

Doch dann kommt dieser Moment. Kurz vor Schluss wartet die berühmte Innenstadtsektion von Fort William. Von außen sieht sie eigentlich harmlos aus. Ein bisschen Grünstreifen, ein paar Steine neben einer Treppe – kann ja nicht so schlimm sein. Denkste. Auch 2026 hat diese Sektion wieder einigen Fahrern ganz elegant die Füße von den Rasten gezogen und kurz vor dem Ziel nochmal gezeigt, wer hier wirklich das Sagen hat.

Und dann… die letzte Sektion ist geschafft.

Noch eine kurze Straßenetappe ins Fahrerlager. Der Helm sitzt schief, die Arme sind leer, das Motorrad klingt mittlerweile wie ein alter Traktor – aber plötzlich ist alles egal. Denn dann wartet der große Moment: die Zielrampe unter dem „Finisher 2026“-Bogen.

Und spätestens dort grinst wirklich jeder. Egal ob Profi oder Hobbyfahrer. Handy raus, Video aufnehmen, einmal stolz über die Rampe rollen und den Moment festhalten. Schließlich will man auch in zehn Jahren noch erzählen können: „Ja, ich war in Schottland. Und Mensch und Maschine haben irgendwie überlebt.“

Jetzt heißt es erst einmal: Sachen packen, heimfahren, Wunden lecken und versuchen, den letzten Rest Moor aus Motorrad und Ausrüstung zu entfernen. Vermutlich wird man aber noch Weihnachten irgendwo schottischen Schlamm finden.

Wir gratulieren allen Teilnehmern, die es bis ins Ziel geschafft haben, ganz herzlich. Und allen, die vielleicht selbst einmal mit dem Gedanken spielen, dieses Abenteuer anzugehen, können wir nur sagen: Macht es.

Es ist anstrengend. Es ist fordernd. Es ist teuer. Man verflucht zwischendurch Wetter, Steine, Motorräder und vermutlich auch sich selbst. Aber wenn man eines nach diesen sechs Tagen sicher sagen kann, dann das:

Als Trialfahrer muss man einmal in Schottland gewesen sein.

8. Mai - 23:30 Uhr

Der fünfte Tag beim Scottish Six Days Trial 2026 ist geschafft

– und spätestens wenn die Fahrer zurück nach Fort William rollen, beginnt der zweite Teil des Tages. Der Teil, den viele Zuschauer gar nicht sehen. Der Teil, bei dem man lernt, dass ein Trialfahrer gleichzeitig Mechaniker, Zeitmanager, Überlebenskünstler und manchmal auch Psychologe sein muss.

Denn wenn die Motorräder am Nachmittag wieder auf den Parkplatz rollen, entscheidet zuerst nicht der Zustand des Motorrads über die Laune – sondern der Blick auf die Uhr.

Und dieser Blick fällt meistens… sagen wir… „sportlich“ aus.

Zusammen mit der Kontrollkarte wird hektisch gerechnet. Noch zwölf Minuten? Luxus! Noch sieben? Schwierig. Noch drei? Dann wird heute vermutlich nur noch gebetet und Luft aufgepumpt.

Denn die Zeitfenster beim SSDT sind traditionell so knapp kalkuliert, dass wirklich jeder Handgriff sitzen muss. Wer hier gemütlich erst einmal einen Tee trinken möchte, hat gute Chancen, morgen zu Fuß zu starten.

Im Fahrerlager in Fort William gleichen die kleinen Herstellerstützpunkte deshalb mobilen Feldwerkstätten. Überall Motorradböcke, Pressluft, Werkzeugkisten, Ölflaschen, Kettenspray und Ersatzteile. Und mittendrin Fahrer, die aussehen, als hätten sie gerade versucht, mit einem Motorrad durch ein nasses Torfmoor zu schwimmen.

Was übrigens meistens auch exakt so war.

Die erste und wichtigste Arbeit: Moor entfernen.
Und zwar überall.

Das schottische Hochmoor besitzt eine fast magische Eigenschaft. Es findet wirklich jede Ritze am Motorrad. Nach einem langen Tag trägt die Maschine gefühlt zusätzliche drei Kilogramm Highlands spazieren. Also wird mit Pressluft, Bürste, Schraubenzieher und gelegentlich blanker Verzweiflung versucht, die gröbsten Reste wieder herauszukratzen.

Danach folgt das Pflichtprogramm:
Luftdruck prüfen.
Kette spannen.
Kette schmieren.
Schrauben nachziehen.
Speichen kontrollieren.
Startnummer putzen.

Denn nichts ist schlimmer, als wenn die eigene Nummer am nächsten Morgen aussieht wie ein archäologischer Fund aus dem Moor von Inverness.

Wenn noch Zeit bleibt – und das ist ungefähr so häufig wie Sonnenschein über sechs SSDT-Tage – wird zusätzlich der Luftfilter gewechselt. Die meisten Fahrer machen das täglich. Alles andere wäre ungefähr so sinnvoll wie ein Staubsaugerbeutel voller Porridge.

Bei Reifen und Ketten gehen die Philosophien dagegen weit auseinander. Manche Fahrer fahren die komplette Woche denselben Reifen. Andere starten jeden Morgen mit fabrikneuem Gummi. Ähnlich bei den Ketten: von „hält schon irgendwie“ bis zum täglichen Komplettwechsel wurde in Schottland bereits alles beobachtet.

Dazu kommen die typischen SSDT-Schönheitsreparaturen: verbogene Hebel zurückbiegen, Fußrasten richten oder Sturzschäden reparieren. Manche Motorräder sehen nach fünf Tagen aus, als hätten sie eine kleine militärische Auseinandersetzung hinter sich.

Und all das passiert immer unter Zeitdruck.

Denn während draußen noch hektisch geschraubt wird, wartet bereits die zweite Großbaustelle des Tages: der Fahrer selbst.

Zurück in Hotel, Ferienwohnung oder Selbstversorger-Unterkunft beginnt dann die eigentliche Schadensanalyse. Stiefel ausziehen. Nasse Kleidung irgendwo aufhängen. Helm abnehmen. Langsam wieder menschliche Gesichtszüge entwickeln.

Und genau dort wird es interessant.

Denn am Gesichtsausdruck erkennt man sofort, wie der Tag draußen wirklich war.

Es gibt Fahrer, die strahlen und sagen:
„Es gibt nichts Schöneres, was man mit einem Trialmotorrad machen kann.“

Und fünf Minuten später sitzt daneben jemand mit leerem Blick an der Wand und fragt:
„Welche Sadisten haben sich diesen Moorabschnitt eigentlich ausgedacht?“

Die Gespräche am Abend gehören beim SSDT fast genauso zur Veranstaltung wie die Sektionen selbst. Es geht um verpasste Chancen, dumme Füße, verlorene Punkte und unfahrbare Auffahrten. Die Hobbyfahrer erzählen sich gegenseitig, welche Sektionen völlig unmöglich waren.

Die Topfahrer sehen das naturgemäß etwas anders.

Für sie könnten die Sektionen meistens ruhig noch schwerer sein.

Und genau das macht den Spagat des SSDT so besonders:
Die Weltelite kämpft vorne um einzelne Punkte, während hinten im Feld hunderte Amateure einfach versuchen, sechs Tage schottisches Hochland heil zu überleben.

Dass aktuell nach fünf Tagen gleich zwei Fahrer mit gerade einmal sieben Strafpunkten gemeinsam führen, zeigt eindrucksvoll das Niveau an der Spitze. Gleichzeitig zeigt es aber auch, wie schwierig es geworden ist, Sektionen zu bauen, die für Weltklassefahrer anspruchsvoll und für normale Sterbliche überhaupt noch fahrbar sind.

Auch die einzelnen Tage unterscheiden sich enorm.
Der Mittwoch war vergleichsweise entspannt – viel Straße, etwas durchschnaufen, rollen lassen, kurz vergessen, dass man eigentlich mitten bei einem der härtesten Trialevents der Welt unterwegs ist.

Der Donnerstag dagegen?
Das komplette Gegenteil.

Lange Passagen durchs Hochmoor, kaum Erholung, permanente Konzentration und körperlich brutal anstrengend. Meter für Meter Arbeit. Keine Pause. Kein Durchatmen. Einfach nur Moor, Steine, Wasser und Motorräder, die ständig versuchen, irgendwo einzusinken.

Genau das ist der Mythos des Scottish Six Days Trial 2026.

Für die Profis ist es ein Prestige-Sieg, den man unbedingt haben möchte.
Für die Amateure ist es eine persönliche Expedition.

Ankommen.
Durchkommen.
Nicht kaputtgehen.
Und am Ende sagen können:
„Ich habe die Scottish Six Days geschafft.“

Morgen steht bereits der letzte Tag an. Noch immer sind über 260 Fahrer im Rennen – eine beeindruckende Zahl nach fast einer Woche schottischem Ausnahmezustand auf zwei Rädern.

Und wenn morgen Nachmittag die letzten Fahrer über die Zielrampe rollen, dann werden viele müde sein, manche komplett zerstört aussehen und vermutlich alle irgendwo noch Moorreste in den Taschen finden.

Aber sie dürfen sich dann etwas nennen, das im Trialsport weltweit Gewicht hat:

Finisher des Scottish Six Days Trial 2026.


7. Mai - 8:30 Uhr

Zwischen Weltklasse und purem Durchhaltewillen

Nach drei Tagen beim lohnt sich der erste Blick auf die Ergebnislisten. Noch 272 Fahrer sind in der Wertung – und nach bislang 84 gefahrenen Sektionen zeigt sich genau das, was diese Veranstaltung so besonders macht: ein unglaublich breit gefächertes Feld.

Ganz vorne kämpfen die Topfahrer wirklich um jeden einzelnen Fuß. Aktuell steht Adam Raga nach Tag drei sogar noch mit null Strafpunkten an der Spitze – beeindruckend, wenn man sieht, wie anspruchsvoll die Bedingungen hier in Schottland sind. Auf der anderen Seite der Ergebnisliste geht es aber genauso spannend zu: Dort kämpfen Einsteiger, Amateure und Newcomer um jeden Dreier in den Sektionen. Und genau das macht den Reiz der SSDT aus – hier starten Weltklassefahrer und Hobbyfahrer gemeinsam in einer Wertung.

Während es für die Spitzenfahrer natürlich um den Gesamtsieg geht, ist es für viele Teilnehmer schon ein riesiger Erfolg, die sechs Tage überhaupt zu finishen. Und genau deshalb gibt es hier eben nicht nur “den einen Sieger”. Neben der Gesamtwertung werden unter anderem auch der beste Jugendfahrer, die beste Fahrerin, die besten 125er-Piloten sowie die besten Newcomer ausgezeichnet.

Die deutschen Fahrer sind aktuell bunt über das gesamte Feld verteilt. Bester Deutscher ist momentan der amtierende Deutsche Trial-Meister Paul Reumschüssel, der nach einem etwas schwierigeren ersten Tag inzwischen richtig gut in Fahrt gekommen ist.

Neben dem sportlichen Teil werden jetzt natürlich auch die Servicearbeiten immer wichtiger. Wer etwas Zeitreserve hat, kümmert sich nach dem Ziel um Reinigung, Kette schmieren, Luftfilter wechseln und die üblichen Kontrollen. Fahrer, die erst knapp oder sogar über der Zeit ankommen, dürfen am nächsten Morgen noch vor dem Start ans Motorrad. Gerade bei den Topfahrern sieht man außerdem täglich neue Reifen – etwas, das die meisten Hobbyfahrer aus nachvollziehbaren Gründen eher nicht machen.

Spannend bleibt auch zu beobachten, wie unterschiedlich die Fahrer mit den typisch schottischen Bedingungen zurechtkommen. Besonders die extrem glatten und nassen Steine machen vielen zu schaffen – vor allem Fahrern, die solche Bedingungen von zuhause nicht gewohnt sind. Wer früh startet, hat zusätzlich oft das Nachsehen, weil die Steine morgens noch deutlich rutschiger sind und sich die Spuren erst später besser herausfahren.

Beeindruckend ist dabei vor allem die Lockerheit der Topfahrer.

Auch wettertechnisch hatten die Fahrer bislang Glück. Trotz Temperaturen knapp über zehn Grad blieb es deutlich trockener als vorhergesagt. Auf den Wegen ist aktuell eher Staub ein Thema als zu viel Wasser – in Schottland definitiv keine Selbstverständlichkeit.

Jetzt freuen sich alle auf die zweite Hälfte der Veranstaltung – und darauf, wer nach weiteren drei Tagen noch ganz vorne mitmischt.


5. Mai - 22:15 Uhr

Tag 2 & Hintergründe zur Wertung

Der zweite Fahrtag beim Scottish Six Days Trial ist erfolgreich absolviert, und das Feld ist weiterhin stark besetzt: Rund 270 Teilnehmer sind noch im Rennen. Genau dieses „im Rennen sein“ ist beim SSDT wörtlich zu nehmen, denn hier entscheidet nicht nur fahrerisches Können, sondern vor allem das konsequente Einhalten eines ganz eigenen Regelwerks.

Der wohl größte Unterschied zu den meisten modernen Trial-Veranstaltungen beginnt bei der Sektionswertung. Das SSDT wird als Non-Stop-Trial gefahren. Das bedeutet, dass in den Sektionen kein Stillstand erlaubt ist. Während man im modernen Trialsport gewohnt ist, dass Fahrer anhalten, balancieren, versetzen oder sich sogar rückwärts neu positionieren, gilt in Schottland eine andere Philosophie: Der Fahrer muss in Bewegung bleiben. Kommt es zum Stillstand, werden sofort fünf Strafpunkte vergeben. In der Praxis sind die Sektionen so angelegt, dass flüssiges Fahren ohnehin der schnellere und bessere Weg ist. Dennoch reizen vor allem die Topfahrer diese Regel bis ans Limit aus. Dynamische Richtungswechsel, Versetzen während der Fahrt oder spektakuläre Manöver sind erlaubt, solange die Bewegung nach vorne erhalten bleibt. Kleine „Grenzfälle“, etwa wenn ein Fahrer an einer Stufe kurz hängen bleibt und sich mit vollem Einsatz weiter nach oben arbeitet, werden von Punktrichtern gelegentlich großzügig bewertet, auch wenn das streng genommen nicht dem Reglement entspricht.

Die Fußwertung selbst entspricht dem bekannten System: null, ein, zwei oder drei Füße. Alles darüber hinaus wird ebenfalls mit drei Strafpunkten gewertet. Ein weiterer markanter Unterschied liegt in der Gestaltung der Sektionen. Es gibt nur eine einzige Spur für alle Fahrer, unabhängig vom Leistungsniveau. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, wie man sie aus vielen nationalen Wettbewerben kennt, existieren nicht. Die Markierung ist dabei auf ein Minimum reduziert: Start- und Endschild sowie seitliche Begrenzungen durch rote und blaue Markierungen. Auf Bänder oder Pflöcke wird komplett verzichtet. Dennoch ist die Linienführung meist eindeutig, da sich die Sektionen an der natürlich sinnvollsten Spur im Gelände orientieren.

Über den Tag verteilt müssen die Fahrer rund 28 Sektionen absolvieren, die in mehrere Gruppen unterteilt sind. Diese Gruppen können aus nur einer Sektion bestehen oder bis zu fünf Sektionen umfassen. Am Ende jeder Gruppe markiert ein „End of the Hill“-Schild den Abschluss dieses Abschnitts. Gefahren wird alles in einer festen Reihenfolge entlang eines großen Rundkurses durch die schottischen Highlands.

Auch bei der Erfassung der Ergebnisse hat sich in den letzten Jahren etwas verändert. Während früher alles handschriftlich dokumentiert wurde, erfolgt die Eingabe heute digital über Smartphones. Allerdings gibt es keine echte Live-Wertung, da viele Abschnitte außerhalb der Netzabdeckung liegen. Deshalb dauert es oft bis in den späten Abend, bis die offiziellen Tagesergebnisse veröffentlicht werden.

Besonders interessant sind die zusätzlichen Strafpunkte und Sonderregelungen. Eine Sektion darf nicht einfach ausgelassen werden, um sich eine fünf „abzuholen“, wie es bei anderen Veranstaltungen möglich ist. Wer nicht in die Sektion einfährt, erhält stattdessen zehn Strafpunkte. Lässt ein Fahrer eine Sektion komplett aus, etwa durch Verfahrer oder technische Probleme, werden sogar 50 Strafpunkte vergeben. Noch strenger wird es, wenn eine ganze Sektionsgruppe verpasst wird. In diesem Fall erhält der Fahrer eine Art Verwarnung, vergleichbar mit einer gelben Karte. Er darf zwar weiterfahren, wird aber für die abschließenden Auszeichnungen nicht mehr berücksichtigt und entsprechend gekennzeichnet. Ein weiterer Verstoß dieser Art führt dann zum Ausschluss aus dem Wettbewerb.

Neben den Sektionen spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle. Für jeden Tag gibt es eine festgelegte Fahrzeit, die eingehalten werden muss. Verspätungen am Start oder im Ziel führen zu Strafpunkten. Wer mehr als eine Stunde zu spät ins Ziel kommt, erhält ebenfalls eine Verwarnung. Beim zweiten Mal bedeutet das das Aus für die Veranstaltung.

Auch auf den Verbindungsetappen gelten klare Regeln. Die Strecke muss exakt eingehalten werden, Geschwindigkeitsvorgaben sind zu beachten, und es gibt spezielle Sollzeitbereiche. Diese sorgen dafür, dass bestimmte Abschnitte – meist auf öffentlichen Straßen – bewusst langsamer gefahren werden. Gerade auf der letzten Etappe zurück ins Fahrerlager dient das der Sicherheit und verhindert unnötige Risiken. Zusätzlich gibt es entlang der Strecke Durchfahrtskontrollen sowie unangekündigte Überprüfungen durch technische Kommissare.

Das SSDT zeigt damit eindrucksvoll, dass es weit mehr ist als ein klassischer Trial-Wettbewerb. Es ist eine Kombination aus fahrerischem Können, Ausdauer, Disziplin und taktischem Verständnis für das Regelwerk. Wer hier Tag für Tag im Rennen bleibt, hat sich das hart erarbeitet.

Mit dem morgigen Mittwoch steht bereits der dritte Veranstaltungstag an. Danach lohnt sich ein genauer Blick auf die Ergebnisse – nicht nur aus deutscher Sicht, sondern auch auf die internationalen Topfahrer und die großen Favoriten auf den Gesamtsieg.

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4. Mai 2026

Der Wecker klingelt früh – sehr früh.

Aber wer beim Scottish Six Days Trial 2026 dabei ist, weiß: Ausschlafen ist was für die Off-Season. Um Punkt 7:30 Uhr steht der erste Fahrer geschniegelt, geschniegelt ist vielleicht übertrieben – eher geschniegelt im Sinne von „mit Schlamm vorgeplant“ – auf der Startrampe. Neben ihm ein Dudelsackspieler, der die Szene akustisch irgendwo zwischen Gänsehaut und „wo ist mein Kaffee?“ einordnet. Ein würdiger Auftakt. Schottischer wird’s nicht.

Und dann geht’s los. Im Minutentakt verschwinden sie in die Highlands: 288 Fahrerinnen und Fahrer, jeder mit dem gleichen Ziel – irgendwie durchkommen. Was nach Chaos klingt, ist in Wahrheit ein ziemlich cleveres System. Über die Woche rotieren die Startgruppen durch, sodass jeder mal der frühe Vogel ist (der den rutschigen Wurm bekommt) und mal gemütlich später startet, wenn die Spuren schon eingefahren sind. Gleichberechtigung auf schottisch: erst flutschig, dann griffig.

Denn seien wir ehrlich: Die ersten Starter haben es nicht leicht. Lose Schotterhänge, nasse Wurzeln und diese legendären, moosigen Steine in den Bachläufen – rutschiger als eine frisch gebohnerte Eisfläche. Ab Fahrer 50 oder 60 wird’s dann plötzlich „machbar“. Oder sagen wir: weniger lebensphilosophisch.

Für den Montag stehen direkt mal 28 Sektionen und 145 Kilometer auf dem Zettel. Ein lockerer Spaziergang… wenn man ein Motorrad hat, das auch durch Hochmoore, über einspurige Sträßchen, Wanderwege, Trampelpfade und gefühlt direkt durch die schottische Wildnis navigieren kann. Highlight: die berüchtigten Moorpassagen. Da wird aus „Fahren“ schnell mal „Interpretieren der Landschaft“.

Die Fahrer? Eine bunte Mischung. Da sind die Top-Piloten, die aussehen, als würden sie gleich ein Nickerchen machen – so entspannt wirken sie. Und dann fahren sie los und zaubern Dinge aufs Motorrad, die physikalisch zumindest diskutabel sind. Dann die erfahrenen Wiederholungstäter, die schon wissen, wo der Stein liegt, der dich heute ruinieren will. Und natürlich die Newcomer – leicht erkennbar am Blick zwischen „Ich hab Bock!“ und „Warum hab ich das getan?“.

Legendär: ein 72-jähriger Starter, zum 51. Mal dabei. Während andere in dem Alter überlegen, ob sie noch selbst den Rasen mähen, fährt der Herr einfach SSDT. Respekt ist da eigentlich zu klein als Wort.

Im Parc Fermé herrscht vor dem Start eine fast schon britisch-disziplinierte Nervosität. 20 Minuten vorher darf „angemotort“ werden – ein herrliches Wort für „alle tun so, als wären sie entspannt“. Starten darf man aber erst auf der Rampe. Und wenn das Motorrad dann beim ersten Kick nicht will… dann sieht man Gesichter, die mehr Emotion zeigen als jede Seifenoper.

Für Zuschauer ist das Ganze übrigens kein Spaziergang – also doch, eigentlich schon. Nur halt mit Planung. GPS-Daten, Parkplatzsuche, Fußmärsche zu den Sektionen. Aber die Belohnung: spektakuläre Passagen, volle Hänge mit Fans und einer tollen Atmosphäre. Manche Sektionen haben mehr Zuschauer als so mancher WM-Lauf – nur eben mit mehr Gummistiefeln.

Und das Wetter? Überraschend freundlich. Ein paar kurze Schauer – zur Erinnerung, dass man in Schottland ist – aber insgesamt beste Bedingungen. Also zumindest für Zuschauer. Für Fahrer bleibt’s „interessant“.

Morgen geht’s dann Richtung Ben Nevis, inklusive Gondelbahn-Region und einem 12 Meilen langen Moorstück. Klingt nach Spaß. Ist es auch – zumindest für die, die nach vielen Kilometern und 28 Sektionen noch lachen können.

Kurz gesagt: Der erste Tag beim SSDT ist wie ein guter schottischer Whisky – rau, intensiv, ein bisschen verrückt und definitiv nichts für Anfänger. Aber genau deshalb lieben es alle.

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3. Mai - 23:30 Uhr
Ankommen, vorbereiten, eintauchen
Der zweite Tag beim Scottish Six Days Trial fühlt sich ein bisschen an wie der erste Schultag – nur dass statt Schulranzen ein Motorrad bereitsteht und der „Unterricht“ irgendwo in den schottischen Highlands stattfindet. In Fort William ist jedenfalls früh Bewegung drin. Noch rollt kein Rad im Wettbewerb, aber langweilig wird es definitiv nicht.

Der Tag beginnt erstaunlich bodenständig: ausladen, schrauben, sortieren. Motorräder werden aus Transportern gehievt, Startnummern montiert und letzte Handgriffe erledigt. Parallel dazu verwandeln sich Transporter in kleine rollende Werkstätten. Und dann wäre da noch der Rucksack – der heimliche Star des Tages. Etwa sieben Kilo schwer und vollgestopft mit allem, was man unterwegs brauchen könnte. Oder auch nicht braucht, aber sicher ist sicher. Werkzeug, Ersatzteile, Regenklamotten, Snacks – kurz gesagt: ein mobiles Überlebenspaket für den schottischen Alltag.

Weiter geht’s zur Dokumentenabnahme. Klingt trocken, ist es auch ein bisschen – aber eben auf schottische Art mit Vorfreude gewürzt. Lizenzen werden geprüft, Namen abgehakt, und am Ende gibt’s die begehrten Goodies: Startnummer, T-Shirt, ein paar Geschenke und vor allem das Programmheft. Ab diesem Moment gibt es kein Zurück mehr – man ist offiziell mittendrin statt nur dabei.


Im Fahrerlager folgt die technische Abnahme. Hier wird geschaut, ob das Motorrad auch wirklich das tut, was es soll – nämlich sicher durch die nächsten Tage kommen. Gleichzeitig ist das der Ort für das große Wiedersehen. Alte Bekannte, neue Gesichter, internationale Mischung. Rund 70 Neulinge sind 2026 dabei und schauen sich noch vorsichtig um, während andere gefühlt schon wissen, wo jeder Stein im Gelände liegt. Und dann gibt es da noch diesen einen Engländer, der zum 51. Mal startet. Da wird selbst das Motorrad kurz ehrfürchtig leiser.


Nach bestandener Prüfung geht’s für die Maschinen ins Parc Fermé – ein Parkplatz direkt am Wasser, groß genug, dass man sich kurz fragt, ob hier nicht auch ein kleines Dorf Platz hätte. Drumherum: Zelte, Werkzeuge, Ersatzteile – echtes Renn-Feeling. Und trotzdem gilt: Jeder schraubt selbst. Keine Hilfe, keine Tricks. Nur du, dein Motorrad und die Erkenntnis, ob du gestern gut aufgepasst hast.

Am Nachmittag wird es dann plötzlich feierlich – und ein kleines bisschen spektakulär. Die Parade durch die Hauptstraße von Fort William steht an. Hunderte Zuschauer, vorneweg Polizeimotorräder, dahinter Dudelsäcke – ja, wirklich Dudelsäcke. Und dann rollen sie an: 288 Fahrer im Schritttempo. Wer hier nicht kurz grinst, macht etwas falsch. Es ist laut, es ist bunt, es ist ein bisschen wie ein fahrendes Volksfest auf zwei Rädern.

Zum Abschluss ruft noch einmal die Vernunft: Fahrerbesprechung. In der Stadthalle gibt’s die wichtigen Infos – Sicherheit, Gefahrenstellen, Ablauf. Der Moment, in dem man merkt: Okay, morgen wird’s ernst.

Denn am nächsten Morgen um 7:30 Uhr geht’s los. Der erste Fahrer startet, 28 Sektionen warten, und irgendwo da draußen entscheiden sich dann Geschichten, über die man später gerne erzählt – oder auch lieber schweigt.

Bis dahin bleibt ein Tag voller Eindrücke, Organisation und Vorfreude. Kein Wettbewerb, aber definitiv kein Leerlauf. Und ganz ehrlich: Wenn schon ein „Ruhetag“ so aussieht, dann darf der Rest der Woche gerne kommen.


2. Mai -23:30 Uhr
SSDT 2026 – Zwei Bayern im schottischen Regen (freiwillig!)

Beim legendären Scottish Six Days Trial 2026 zieht es auch dieses Jahr wieder hunderte Trial-Verrückte in die schottischen Highlands – und mittendrin: zwei Jungs aus Südbayern. Mit Markus Pfitzmeier vom MC Augsburg und Michael Speer vom MC Neuburg stellen sich gleich zwei Fahrer aus dem Alpenpokalbereich der wahrscheinlich nassesten Herausforderung, die man auf zwei Rädern freiwillig annehmen kann.


Für alle, die das SSDT noch nicht kennen: Das ist kein normales Trial.

Das ist eher eine Mischung aus Ausdauerprüfung, Materialschlacht und Schottland-Urlaub – nur halt ohne „Urlaub“. Sechs Tage lang geht’s rund um Fort William durch die Highlands, jeden Tag ordentlich Kilometer, unzählige Sektionen und gefühlt alle Wetterlagen, die die Insel zu bieten hat. Von Sonnenschein bis Weltuntergang ist alles drin – manchmal auch innerhalb von fünf Minuten. Wer hier durchkommt, kann danach eigentlich alles fahren.


In den nächsten Tagen nehmen wir euch ein bisschen mit auf diese Reise. Von der Anfahrt über das ganze offizielle Prozedere bis hin zu den Fahrtagen und natürlich allem, was sonst noch so passiert – ihr bekommt Einblicke in das, was das SSDT wirklich ausmacht. Also nicht nur Punkte und Platzierungen, sondern auch Regen, Schlamm, Pannen, gute Laune und vermutlich den ein oder anderen Fluch im Helm.


Los ging das Ganze am Freitag mit der Abfahrt in Neuburg. Ziel: Rotterdam, Fähre nach Hull. Die ersten Kilometer? Überraschend entspannt. Wenig Verkehr, gute Stimmung – man hätte fast glauben können, das bleibt so.

Tja… blieb es natürlich nicht.

Die letzten 150 Kilometer wurden dann zur kleinen Nervenschlacht. Stau hier, Umleitung da, Zeitplan irgendwo auf der Strecke verloren. Am Ende war klar: Check-in-Zeit eigentlich durch. Also kurzer Griff zum Telefon, ein bisschen Zittern – und tatsächlich: ein paar Minuten Gnadenfrist rausgeholt. Ergebnis: knapp zu spät, aber genau richtig. Fähre erreicht, Puls langsam wieder unter Kontrolle.

Die Überfahrt selbst dann fast schon zu entspannt: ruhige See, gute Stimmung und endlich Zeit, mal durchzuschnaufen. Nebenbei haben wir auch noch Verstärkung aus Deutschland getroffen: Mit Paul und Sophia Reumschlüssel sowie Jens ter Jung sind weitere starke Fahrer mit am Start – Deutschland ist also definitiv gut vertreten.

In England angekommen ging’s dann direkt weiter Richtung Norden. Siebeneinhalb Stunden später: Fort William erreicht, Unterkunft bezogen, erstmal ankommen.

Und jetzt wird’s ernst.

Am Sonntag steht das volle Programm an: Dokumenten- und Fahrzeugabnahme, Parade durch die Stadt (ja, mit Motorrädern durch die Hauptstraße – ziemlich cool) und am Abend die Pflicht-Fahrerbesprechung. Danach gibt’s kein Zurück mehr – dann startet das Abenteuer SSDT richtig.